Altenzentrum Jüdische Gemeinde
Bornheimer Landwehr 79 b
60385 Frankfurt am Main
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Leitbild für Pflege und Betreuung im JAZ

Die ethischen Grundsätze der Arbeit werden geprägt von dem religiösen Leitbild des Hauses. Das Haus ist ein jüdisches und multikulturelles Haus. Die Menschen, die hier leben, kommen aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen kulturellen Orientierungen. Das Bindende ist ihre Zugehörigkeit zum Judentum, die allerdings innerhalb der Bewohner unterschiedlich stark ausgeprägt ist Toleranz und Akzeptanz sind deshalb grundlegende Ansprüche, die sowohl an die Mitarbeiter im Umgang mit den Bewohnern als auch an die Bewohner im Umgang untereinander gestellt werden. In dieser Atmosphäre haben auch christliche Bewohner ihren Platz, die einen Anteil von ca. 15% der Heimbewohner stellen.


In der pflegerischen, therapeutischen und sozialen Arbeit mit den Bewohnern wird der Biographiearbeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Daraus leitet sich ab, dass sowohl die unterschiedliche kulturelle Herkunft als auch das unterschiedliche Ausmaß an Leid, das jüdische Menschen in Europa wegen der Schrecken des Holocausts durchlebt haben, Berücksichtigung findet. Respekt vor dem gelebten Leben der alten Menschen wird in diesem Haus zum Maßstab für die Bemessung der Qualität des Umganges mit ihnen. Dieser Respekt schließt falsch verstandene Nähe ebenso aus, wie kalte Distanz, die Verständnislosigkeit gegenüber menschlichen Schicksalen zur Grundlage hat. Beziehungspflege ist die Basis für den respektvollen Umgang mit den Bewohnern, der ein Konzept zugrunde liegt, das immer wieder das Ausbalancieren von Nähe und Distanz aus professioneller Sicht fordert.


Das Heim soll Heimat und Wohnung für die alten Menschen sein, dementsprechend werden Milieu und Umfeld gestaltet. Die Bewohner haben die Möglichkeit, die Zimmer mit eigenen Möbeln einzurichten - mit Ausnahme des Pflegebettes. Aufenthaltsräume werden nicht nur als Funktionsräume, sondern als Orte der Gemeinschaftspflege zur Verfügung gestellt. Die Gemeinschaftspflege ist Bestandteil der Konzeption. Daran orientiert sich der Ablauf der pflegerischen Arbeit. Trotz des hohen Stellenwertes der Gemeinschaft wird niemand gezwungen, Gemeinschaft zu leben, wenn individuelle Bedürfnisse nach Abgeschiedenheit vorherrschend sind. Es kommt vielmehr darauf an, dass das Haus selbst ein Ort der Gemeinschaft ist. Gemeinsame Mahlzeiten der Bewohner in gepflegter Atmosphäre, die einer gehobenen Esskultur entspricht, Angebote zur Freizeitgestaltung und Beschäftigung, Kulturveranstaltungen und Ausflüge in die Umgebung gehören ebenso dazu wie die Pflege der Gemeinschaft mit Jüdischen Gemeinden und anderen Institutionen. Der Besuch der Synagoge und die jüdischen Feste sind Bestandteil des Heimlebens. Die Bewohner werden von den Mitarbeitern des Hauses aktiv unterstützt, um an diesem Gemeinschafts- und Heimleben teilnehmen zu können. Die Jüdischen Feste und Hohen Feiertage sind das Zentrum der kulturellen Aktivitäten des Heimes. An diesen Tagen sind alle Mitarbeiter/innen des Hauses anwesend, um die Bewohner dabei zu unterstützen, ihre Teilnahme zu sichern. Toleranz gilt allerdings auch hier denjenigen, die an diesem religiösen Leben nicht teilnehmen wollen.


Pflegeleitbild, Pflegeplanung und –dokumentation, Pflegeprofile, Sterben und Tod im Judentum
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